Alexander Merget
Alexander Merget

Scalable Capital Altersvorsorgedepot: Aktueller Status & Ausblick

Beide Varianten bestätigt: freies Depot und Standarddepot. Die Fondskosten erstattet Scalable – allerdings nur für 16 namentlich gelistete ETFs und mit Widerrufsvorbehalt. Zum Anbietervergleich

Scalable Capital war im August der erste Anbieter mit Zahlen. Im Oktober ist das Angebot deutlich konkreter geworden: beide Produktvarianten sind bestätigt, und die laufenden Fondskosten will der Anbieter erstatten. Das Entscheidende steht dabei nicht in der Überschrift, sondern in einer Liste mit 16 ETFs.

Beide Varianten – das freie Depot ist bestätigt

Scalable bietet nach Angaben gegenüber der Fachpresse beides an: ein Altersvorsorgedepot für Selbstentscheider, in dem du das Portfolio selbst zusammenstellst, und das gesetzlich vorgeschriebene Standarddepot. Das ist keine Selbstverständlichkeit – Pflicht ist nur das Standarddepot, und mindestens ein Wettbewerber hat das freie Depot bereits ausgeschlossen.

Im freien Depot stehen Aktien- und Anleihen-ETFs zur Wahl, dazu geeignete Rohstoff-ETFs, Fonds und ELTIFs für Private Markets. Der Anbieter schreibt selbst dazu, dass nicht jeder ETF förderfähig ist – und das ist richtig so: Das Gesetz lässt Fonds und ETFs bis Risikoklasse 5 von 7 zu, aber keine Zertifikate und zertifikatsähnlichen Papiere. Entscheidend ist also nicht das Etikett „Rohstoff“ oder „Private Markets“, sondern ob das Papier ein Investmentvermögen ist und wo sein Risikoindikator liegt. Welche Produkte konkret durchkommen, steht noch nicht fest.

Beim Standarddepot beschreibt Scalable den Gleitpfad korrekt – das ist erwähnenswert, weil es mehrere Anbieter nicht tun: höchstens 50 % Aktien fünf Jahre vor Rentenbeginn, höchstens 30 % zwei Jahre vorher, und die Aufteilung lässt sich gebührenfrei anpassen. Genau so steht es im Gesetz: Es sind Obergrenzen einer Voreinstellung, kein Zwang.

KostenartAngabe
Depotführung0 €
ETF-Sparpläne0 €
Einzelorders0,99 € im Gratis-Tarif, 0 € im kostenpflichtigen Abo
Laufende Fondskosten (TER)für gelistete ETFs zu 100 % erstattet
StandarddepotFondskosten übernommen mindestens bis Ende 2027

Angaben gegenüber der Fachpresse, Stand 09.10.2026. Die Liste der begünstigten ETFs stammt aus einem eigenen Dokument von Scalable Capital.

Die Orderkosten sind für einen Altersvorsorgevertrag fast bedeutungslos: Wer monatlich spart, nutzt Sparpläne, und die kosten in beiden Tarifen nichts. Die Null bei den Einzelorders hängt an einem Abo, dessen Preis in der Meldung nicht steht – für die Altersvorsorge ist das kein Argument.

Der Rentenbonus: 0 % Fondskosten, aber nur für 16 ETFs

Der Kern des Angebots heißt „Rentenbonus“: Scalable erstattet die laufende Produktkostenquote (TER) ausgewählter ETFs, schreibt die Beträge dem Altersvorsorgedepot gut und legt sie wieder an. Effektiv sinken die Fondskosten dieser Papiere damit auf null.

Welche ETFs das sind, steht in einer eigenen Liste des Anbieters – mit ISIN. Das ist der seltene Fall, dass sich eine Kostenaussage unabhängig nachprüfen lässt, und darin liegt zugleich die Bedingung, die in der Überschrift untergeht: Wer einen anderen förderfähigen ETF wählt, zahlt dessen Kosten in voller Höhe. Das freie Depot bleibt frei – kostenlos ist es nur auf diesen 16 Wegen.

💡 Ein Blick in die Liste lohnt sich. Von den 16 gelisteten ETFs tragen neun den Namen Xtrackers (DWS), vier kommen von Vanguard, drei von iShares. Der erste Eintrag ist ein ETF, den Scalable gemeinsam mit Xtrackers aufgelegt hat. Das ist kein Vorwurf – solche Erstattungen beruhen auf Vereinbarungen mit den Fondsgesellschaften, und das ist branchenüblich. Es heißt nur: „0 % Fondskosten“ bedeutet in der Praxis „0 %, solange du dich innerhalb dieser Auswahl bewegst“. Breite Welt-ETFs und kurzlaufende Euro-Staatsanleihen sind darin enthalten – ein klassisches Zwei-Fonds-Depot ließe sich daraus bauen. Ob die beiden Fonds des Standarddepots genau daher kommen, sagt Scalable allerdings nicht.

Und eine Einschränkung, die im Dokument selbst steht: Scalable behält sich ausdrücklich vor, die Auswahl fortlaufend zu aktualisieren und das Angebot anzupassen, einzuschränken oder einzustellen. Damit ist der Rentenbonus ein Programm, kein Preisversprechen. Zum Vergleich: flatex sagt fünf Jahre Erstattung zu, Smartbroker+ drei Jahre bis 25.000 € Anlagevolumen – beides sind Zusagen mit Ende. „Mindestens bis Ende 2027“ plus Widerrufsvorbehalt ist etwas anderes: Es kann länger laufen, es kann aber auch früher enden.

Der Bonus läuft nach Anbieterangabe bereits heute: Wer die begünstigten ETFs schon jetzt im normalen Depot kauft oder bespart, soll die bis Jahresende anfallende TER später auf dem Altersvorsorgedepot gutgeschrieben bekommen. Wann genau, steht nicht dabei.

Was 0,20 % über 30 Jahre ausmachen

Damit die Erstattung greifbar wird: Ein breiter Welt-ETF kostet typischerweise um 0,20 % im Jahr. Bei 200 € im Monat über 30 Jahre und 7 % Rendite vor Kosten stehen am Ende rund 234.000 € ohne laufende Fondskosten gegenüber rund 225.000 € mit 0,20 %. Der Unterschied liegt bei gut 8.000 € – und er entsteht allein dadurch, dass die ersparten Kosten über Jahrzehnte mitwachsen.

Das ist eine ordentliche Summe und zugleich der Grund, genau hinzusehen: Sie fällt nur an, solange der Bonus läuft und solange die besparten ETFs auf der Liste stehen. Rechne deinen eigenen Fall im Förderrechner nach, das Kostenfeld ist dort einstellbar.

Was im August angekündigt wurde

In einem Interview mit der Bild-Zeitung und in einem Beitrag auf dem eigenen LinkedIn-Kanal hat Scalable Capital im August 2026 folgende Konditionen für das Altersvorsorgedepot in Aussicht gestellt:

  • Keine Gebühren für Konto, Depot, Sparpläne sowie Käufe und Verkäufe
  • ETF-Kosten von höchstens 0,15 % pro Jahr – gemeint ist die laufende Produktkostenquote (TER) der auswählbaren ETFs
  • Im ersten Jahr sollen auch diese 0,15 % entfallen, Scalable will sie selbst übernehmen
  • Keine Beitragsgarantie. Podzuweit begründet das damit, dass Garantien die Aktienquote und damit die Renditechancen begrenzen – kurz vor dem Ruhestand empfiehlt er, den Aktienanteil schrittweise zu senken
  • Ein Wechselservice für Riester-Verträge ist geplant

Zum Einordnen: Ende 2025 gab es rund 14,7 Millionen Riester-Verträge mit geschätzt 240 Milliarden Euro Vermögen. Wer diese Kundschaft abholt, gewinnt Marktanteile – der angekündigte Wechselservice ist also auch eine strategische Ansage.

💡 Warum wir daraus noch keine Testnote machen. Diese Zahlen stammen aus einem Interview und einem LinkedIn-Beitrag, nicht aus einem Preisverzeichnis. Verbindlich werden Konditionen erst mit dem zertifizierten Vertrag – zuständig für die Zertifizierung ist das Bundeszentralamt für Steuern. Bis dahin gilt: angekündigt, nicht zugesichert. Wir tragen die Werte hier nach, sobald ein Preisverzeichnis vorliegt.

Was die 0,15 % bedeuten – und was nicht

Die genannte Zahl ist die Produktkostenquote der ETFs, nicht die Effektivkostenquote des Vertrags. Das ist ein Unterschied, der später zählt: Die Effektivkosten umfassen alle Kosten des Altersvorsorgedepots, also auch Depotführung, Abschlusskosten und Kosten in der Auszahlphase. Wenn Scalable auf all das verzichtet, lägen die Effektivkosten tatsächlich nahe bei den ETF-Kosten – aber das steht erst mit dem Preisverzeichnis fest.

Zur Größenordnung: Der gesetzliche Deckel für das Standarddepot liegt bei 1,0 % Effektivkosten. Angekündigte 0,15 % wären ein Bruchteil davon. Über 30 Jahre macht das einen erheblichen Unterschied – rechne es im Förderrechner selbst nach, das Kostenfeld ist dort einstellbar.

Zur Erstattung: Aus der „Null im ersten Jahr“ vom August ist im Oktober ein weiter gefasstes Versprechen geworden – beim Standarddepot mindestens bis Ende 2027, beim freien Depot ohne genanntes Enddatum. Besser ist das allemal. Ein dauerhafter Preis ist es trotzdem nicht: Über einen Vertrag, der dich 30 bis 40 Jahre begleitet, entscheidet, was gilt, wenn das Programm ausläuft. Und die 0,15 % aus dem August hat Scalable im Oktober nicht wiederholt – ob sie weiter als Obergrenze gelten, ist offen.

Was für ein förderfähiges Angebot nötig ist

Förderfähig ist nur ein vom Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) zertifizierter Vertrag – ein bestehendes Depot wird nicht automatisch zum Altersvorsorgedepot. Dazu kommen die gesetzlichen Pflichten: das Standarddepot mit Kostendeckel, das jeder Anbieter im Programm haben muss, und eine Lösung für die Auszahlphase.

Nicht verwechseln: Zuständig für die Zertifizierung ist das BZSt, nicht die BaFin. Mehrere Vergleichsportale schreiben das falsch.

Woran wir Scalable Capital messen werden

Sobald ein Preisverzeichnis vorliegt, bewerten wir nach unserer offengelegten Matrix: Kosten (50 %), Anlageuniversum (20 %), Förder-Handling (10 %), Auszahlphase (10 %), Service & App (10 %).

Zwei Fragen von hier sind inzwischen beantwortet: Es gibt ein freies Depot neben dem Standarddepot, und für die begünstigten ETFs liegt eine namentliche Liste mit ISIN vor. Offen bleiben: Bestätigt das Preisverzeichnis die angekündigten Konditionen? Wie hoch ist die Effektivkostenquote inklusive aller Nebenkosten? Wie lange läuft der Rentenbonus wirklich, und was kostet ein ETF außerhalb der Liste? Und welche Lösung gibt es für die Auszahlphase, in der ein Broker ohne Versicherungspartner zunächst keine lebenslange Rente anbieten kann?

💡 Bis dahin: Verfolge alle Anbieter in der Watchlist, versteh die Förderung und rechne deine Zulagen im Förderrechner durch.
Wer bietet das Altersvorsorgedepot ab 2027 an?
Zum Anbieter-Vergleich

Häufige Fragen

Sind bei Scalable wirklich alle ETFs kostenlos?

Nein. Scalable erstattet die laufenden Fondskosten nur für die ETFs, die in der eigenen Rentenbonus-Liste stehen – derzeit 16 Papiere, jeweils mit ISIN genannt. Wer im freien Altersvorsorgedepot einen anderen förderfähigen ETF wählt, zahlt dessen Kosten vollständig. Scalable behält sich außerdem vor, die Liste zu ändern und das Programm einzuschränken oder zu beenden.

Kann ich bei Scalable meine ETFs selbst aussuchen?

Ja. Neben dem gesetzlich vorgeschriebenen Standarddepot bietet Scalable ein Altersvorsorgedepot für Selbstentscheider an, in dem du das Portfolio selbst zusammenstellst. Ein solches freies Depot ist für Anbieter freiwillig – nicht jeder wird es anbieten.

Was soll das Altersvorsorgedepot bei Scalable kosten?
Angekündigt sind keine Gebühren für Depot, Sparpläne und Handel sowie ETF-Kosten von höchstens 0,15 % jährlich, im ersten Jahr 0 %. Diese Angaben stammen aus einem Interview, nicht aus einem Preisverzeichnis – verbindlich sind sie damit noch nicht.
Sind 0,15 % die Effektivkosten?
Nein. Genannt ist die Produktkostenquote der ETFs. Die Effektivkosten umfassen zusätzlich Depotführung, Abschluss- und Auszahlkosten. Verzichtet Scalable darauf, lägen beide Werte nahe beieinander – belegt ist das erst mit dem Preisverzeichnis.
Lohnt sich das erste Gratisjahr?
Es ist ein Aktionsangebot. Bei einem Vertrag über 30 oder 40 Jahre entscheidet, was ab dem zweiten Jahr gilt. Nimm es mit, wenn du dich ohnehin für den Anbieter entscheidest – als alleiniger Grund taugt es nicht.
Gibt es eine Beitragsgarantie?
Nein, Scalable verzichtet bewusst darauf. Das ist beim Altersvorsorgedepot zulässig und der wesentliche Unterschied zur Riester-Rente. Ohne Garantie sind höhere Aktienquoten möglich – dafür schwankt das Vermögen stärker.
Kann ich meinen Riester-Vertrag übertragen?
Scalable kündigt einen Wechselservice an. Wie er praktisch abläuft und was er kostet, ist noch nicht veröffentlicht. Die vier möglichen Wege stehen im Riester-Wechsel-Ratgeber.
Wie viele ETFs stehen zur Auswahl?
Dazu gibt es keine belastbare Angabe des Anbieters. In Vergleichsportalen kursieren sehr unterschiedliche Zahlen – wir übernehmen sie nicht, solange Scalable sie nicht selbst nennt.
Wann gibt es hier eine Testnote?
Sobald ein zertifiziertes Produkt mit veröffentlichtem Preisverzeichnis vorliegt – frühestens zum Marktstart im Januar 2027.

Stand: Oktober 2026. Diese Seite ist eine redaktionelle Status-Beobachtung; es besteht keine Geschäftsbeziehung zu Scalable Capital, sofern nicht ausdrücklich gekennzeichnet. Alle Angaben ohne Gewähr.