Scalable Capital Altersvorsorgedepot: Aktueller Status & Ausblick
Scalable Capital war im August der erste Anbieter mit Zahlen. Im Oktober ist das Angebot deutlich konkreter geworden: beide Produktvarianten sind bestätigt, und die laufenden Fondskosten will der Anbieter erstatten. Das Entscheidende steht dabei nicht in der Überschrift, sondern in einer Liste mit 16 ETFs.
Beide Varianten – das freie Depot ist bestätigt
Scalable bietet nach Angaben gegenüber der Fachpresse beides an: ein Altersvorsorgedepot für Selbstentscheider, in dem du das Portfolio selbst zusammenstellst, und das gesetzlich vorgeschriebene Standarddepot. Das ist keine Selbstverständlichkeit – Pflicht ist nur das Standarddepot, und mindestens ein Wettbewerber hat das freie Depot bereits ausgeschlossen.
Im freien Depot stehen Aktien- und Anleihen-ETFs zur Wahl, dazu geeignete Rohstoff-ETFs, Fonds und ELTIFs für Private Markets. Der Anbieter schreibt selbst dazu, dass nicht jeder ETF förderfähig ist – und das ist richtig so: Das Gesetz lässt Fonds und ETFs bis Risikoklasse 5 von 7 zu, aber keine Zertifikate und zertifikatsähnlichen Papiere. Entscheidend ist also nicht das Etikett „Rohstoff“ oder „Private Markets“, sondern ob das Papier ein Investmentvermögen ist und wo sein Risikoindikator liegt. Welche Produkte konkret durchkommen, steht noch nicht fest.
Beim Standarddepot beschreibt Scalable den Gleitpfad korrekt – das ist erwähnenswert, weil es mehrere Anbieter nicht tun: höchstens 50 % Aktien fünf Jahre vor Rentenbeginn, höchstens 30 % zwei Jahre vorher, und die Aufteilung lässt sich gebührenfrei anpassen. Genau so steht es im Gesetz: Es sind Obergrenzen einer Voreinstellung, kein Zwang.
| Kostenart | Angabe |
|---|---|
| Depotführung | 0 € |
| ETF-Sparpläne | 0 € |
| Einzelorders | 0,99 € im Gratis-Tarif, 0 € im kostenpflichtigen Abo |
| Laufende Fondskosten (TER) | für gelistete ETFs zu 100 % erstattet |
| Standarddepot | Fondskosten übernommen mindestens bis Ende 2027 |
Angaben gegenüber der Fachpresse, Stand 09.10.2026. Die Liste der begünstigten ETFs stammt aus einem eigenen Dokument von Scalable Capital.
Die Orderkosten sind für einen Altersvorsorgevertrag fast bedeutungslos: Wer monatlich spart, nutzt Sparpläne, und die kosten in beiden Tarifen nichts. Die Null bei den Einzelorders hängt an einem Abo, dessen Preis in der Meldung nicht steht – für die Altersvorsorge ist das kein Argument.
Der Rentenbonus: 0 % Fondskosten, aber nur für 16 ETFs
Der Kern des Angebots heißt „Rentenbonus“: Scalable erstattet die laufende Produktkostenquote (TER) ausgewählter ETFs, schreibt die Beträge dem Altersvorsorgedepot gut und legt sie wieder an. Effektiv sinken die Fondskosten dieser Papiere damit auf null.
Welche ETFs das sind, steht in einer eigenen Liste des Anbieters – mit ISIN. Das ist der seltene Fall, dass sich eine Kostenaussage unabhängig nachprüfen lässt, und darin liegt zugleich die Bedingung, die in der Überschrift untergeht: Wer einen anderen förderfähigen ETF wählt, zahlt dessen Kosten in voller Höhe. Das freie Depot bleibt frei – kostenlos ist es nur auf diesen 16 Wegen.
Und eine Einschränkung, die im Dokument selbst steht: Scalable behält sich ausdrücklich vor, die Auswahl fortlaufend zu aktualisieren und das Angebot anzupassen, einzuschränken oder einzustellen. Damit ist der Rentenbonus ein Programm, kein Preisversprechen. Zum Vergleich: flatex sagt fünf Jahre Erstattung zu, Smartbroker+ drei Jahre bis 25.000 € Anlagevolumen – beides sind Zusagen mit Ende. „Mindestens bis Ende 2027“ plus Widerrufsvorbehalt ist etwas anderes: Es kann länger laufen, es kann aber auch früher enden.
Der Bonus läuft nach Anbieterangabe bereits heute: Wer die begünstigten ETFs schon jetzt im normalen Depot kauft oder bespart, soll die bis Jahresende anfallende TER später auf dem Altersvorsorgedepot gutgeschrieben bekommen. Wann genau, steht nicht dabei.
Was 0,20 % über 30 Jahre ausmachen
Damit die Erstattung greifbar wird: Ein breiter Welt-ETF kostet typischerweise um 0,20 % im Jahr. Bei 200 € im Monat über 30 Jahre und 7 % Rendite vor Kosten stehen am Ende rund 234.000 € ohne laufende Fondskosten gegenüber rund 225.000 € mit 0,20 %. Der Unterschied liegt bei gut 8.000 € – und er entsteht allein dadurch, dass die ersparten Kosten über Jahrzehnte mitwachsen.
Das ist eine ordentliche Summe und zugleich der Grund, genau hinzusehen: Sie fällt nur an, solange der Bonus läuft und solange die besparten ETFs auf der Liste stehen. Rechne deinen eigenen Fall im Förderrechner nach, das Kostenfeld ist dort einstellbar.
Was im August angekündigt wurde
In einem Interview mit der Bild-Zeitung und in einem Beitrag auf dem eigenen LinkedIn-Kanal hat Scalable Capital im August 2026 folgende Konditionen für das Altersvorsorgedepot in Aussicht gestellt:
- Keine Gebühren für Konto, Depot, Sparpläne sowie Käufe und Verkäufe
- ETF-Kosten von höchstens 0,15 % pro Jahr – gemeint ist die laufende Produktkostenquote (TER) der auswählbaren ETFs
- Im ersten Jahr sollen auch diese 0,15 % entfallen, Scalable will sie selbst übernehmen
- Keine Beitragsgarantie. Podzuweit begründet das damit, dass Garantien die Aktienquote und damit die Renditechancen begrenzen – kurz vor dem Ruhestand empfiehlt er, den Aktienanteil schrittweise zu senken
- Ein Wechselservice für Riester-Verträge ist geplant
Zum Einordnen: Ende 2025 gab es rund 14,7 Millionen Riester-Verträge mit geschätzt 240 Milliarden Euro Vermögen. Wer diese Kundschaft abholt, gewinnt Marktanteile – der angekündigte Wechselservice ist also auch eine strategische Ansage.
Was die 0,15 % bedeuten – und was nicht
Die genannte Zahl ist die Produktkostenquote der ETFs, nicht die Effektivkostenquote des Vertrags. Das ist ein Unterschied, der später zählt: Die Effektivkosten umfassen alle Kosten des Altersvorsorgedepots, also auch Depotführung, Abschlusskosten und Kosten in der Auszahlphase. Wenn Scalable auf all das verzichtet, lägen die Effektivkosten tatsächlich nahe bei den ETF-Kosten – aber das steht erst mit dem Preisverzeichnis fest.
Zur Größenordnung: Der gesetzliche Deckel für das Standarddepot liegt bei 1,0 % Effektivkosten. Angekündigte 0,15 % wären ein Bruchteil davon. Über 30 Jahre macht das einen erheblichen Unterschied – rechne es im Förderrechner selbst nach, das Kostenfeld ist dort einstellbar.
Zur Erstattung: Aus der „Null im ersten Jahr“ vom August ist im Oktober ein weiter gefasstes Versprechen geworden – beim Standarddepot mindestens bis Ende 2027, beim freien Depot ohne genanntes Enddatum. Besser ist das allemal. Ein dauerhafter Preis ist es trotzdem nicht: Über einen Vertrag, der dich 30 bis 40 Jahre begleitet, entscheidet, was gilt, wenn das Programm ausläuft. Und die 0,15 % aus dem August hat Scalable im Oktober nicht wiederholt – ob sie weiter als Obergrenze gelten, ist offen.
Was für ein förderfähiges Angebot nötig ist
Förderfähig ist nur ein vom Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) zertifizierter Vertrag – ein bestehendes Depot wird nicht automatisch zum Altersvorsorgedepot. Dazu kommen die gesetzlichen Pflichten: das Standarddepot mit Kostendeckel, das jeder Anbieter im Programm haben muss, und eine Lösung für die Auszahlphase.
Nicht verwechseln: Zuständig für die Zertifizierung ist das BZSt, nicht die BaFin. Mehrere Vergleichsportale schreiben das falsch.
Woran wir Scalable Capital messen werden
Sobald ein Preisverzeichnis vorliegt, bewerten wir nach unserer offengelegten Matrix: Kosten (50 %), Anlageuniversum (20 %), Förder-Handling (10 %), Auszahlphase (10 %), Service & App (10 %).
Zwei Fragen von hier sind inzwischen beantwortet: Es gibt ein freies Depot neben dem Standarddepot, und für die begünstigten ETFs liegt eine namentliche Liste mit ISIN vor. Offen bleiben: Bestätigt das Preisverzeichnis die angekündigten Konditionen? Wie hoch ist die Effektivkostenquote inklusive aller Nebenkosten? Wie lange läuft der Rentenbonus wirklich, und was kostet ein ETF außerhalb der Liste? Und welche Lösung gibt es für die Auszahlphase, in der ein Broker ohne Versicherungspartner zunächst keine lebenslange Rente anbieten kann?
Häufige Fragen
Sind bei Scalable wirklich alle ETFs kostenlos?
Nein. Scalable erstattet die laufenden Fondskosten nur für die ETFs, die in der eigenen Rentenbonus-Liste stehen – derzeit 16 Papiere, jeweils mit ISIN genannt. Wer im freien Altersvorsorgedepot einen anderen förderfähigen ETF wählt, zahlt dessen Kosten vollständig. Scalable behält sich außerdem vor, die Liste zu ändern und das Programm einzuschränken oder zu beenden.
Kann ich bei Scalable meine ETFs selbst aussuchen?
Ja. Neben dem gesetzlich vorgeschriebenen Standarddepot bietet Scalable ein Altersvorsorgedepot für Selbstentscheider an, in dem du das Portfolio selbst zusammenstellst. Ein solches freies Depot ist für Anbieter freiwillig – nicht jeder wird es anbieten.
Was soll das Altersvorsorgedepot bei Scalable kosten?
Sind 0,15 % die Effektivkosten?
Lohnt sich das erste Gratisjahr?
Gibt es eine Beitragsgarantie?
Kann ich meinen Riester-Vertrag übertragen?
Wie viele ETFs stehen zur Auswahl?
Wann gibt es hier eine Testnote?
Stand: Oktober 2026. Diese Seite ist eine redaktionelle Status-Beobachtung; es besteht keine Geschäftsbeziehung zu Scalable Capital, sofern nicht ausdrücklich gekennzeichnet. Alle Angaben ohne Gewähr.