Alexander Merget
Alexander Merget

Scalable Capital Altersvorsorgedepot: Status & Ausblick

Angekündigt Erster Anbieter mit konkreten Kostenangaben – genannt im Interview, noch nicht als Preisverzeichnis.

Scalable Capital ist beim Altersvorsorgedepot vorgeprescht: Firmenchef Erik Podzuweit hat im August 2026 erstmals Zahlen genannt. Sie sind bemerkenswert niedrig – und sie sind noch nicht verbindlich. Hier steht, was gesagt wurde und was das wert ist.

Was Scalable angekündigt hat

In einem Interview mit der Bild-Zeitung und in einem Beitrag auf dem eigenen LinkedIn-Kanal hat Scalable Capital im August 2026 folgende Konditionen für das Altersvorsorgedepot in Aussicht gestellt:

  • Keine Gebühren für Konto, Depot, Sparpläne sowie Käufe und Verkäufe
  • ETF-Kosten von höchstens 0,15 % pro Jahr – gemeint ist die laufende Produktkostenquote (TER) der auswählbaren ETFs
  • Im ersten Jahr sollen auch diese 0,15 % entfallen, Scalable will sie selbst übernehmen
  • Keine Beitragsgarantie. Podzuweit begründet das damit, dass Garantien die Aktienquote und damit die Renditechancen begrenzen – kurz vor dem Ruhestand empfiehlt er, den Aktienanteil schrittweise zu senken
  • Ein Wechselservice für Riester-Verträge ist geplant

Zum Einordnen: Ende 2025 gab es rund 14,7 Millionen Riester-Verträge mit geschätzt 240 Milliarden Euro Vermögen. Wer diese Kundschaft abholt, gewinnt Marktanteile – der angekündigte Wechselservice ist also auch eine strategische Ansage.

💡 Warum wir daraus noch keine Testnote machen. Diese Zahlen stammen aus einem Interview und einem LinkedIn-Beitrag, nicht aus einem Preisverzeichnis. Verbindlich werden Konditionen erst mit dem zertifizierten Vertrag – zuständig für die Zertifizierung ist das Bundeszentralamt für Steuern. Bis dahin gilt: angekündigt, nicht zugesichert. Wir tragen die Werte hier nach, sobald ein Preisverzeichnis vorliegt.

Was die 0,15 % bedeuten – und was nicht

Die genannte Zahl ist die Produktkostenquote der ETFs, nicht die Effektivkostenquote des Vertrags. Das ist ein Unterschied, der später zählt: Die Effektivkosten umfassen alle Kosten des Altersvorsorgedepots, also auch Depotführung, Abschlusskosten und Kosten in der Auszahlphase. Wenn Scalable auf all das verzichtet, lägen die Effektivkosten tatsächlich nahe bei den ETF-Kosten – aber das steht erst mit dem Preisverzeichnis fest.

Zur Größenordnung: Der gesetzliche Deckel für das Standarddepot liegt bei 1,0 % Effektivkosten. Angekündigte 0,15 % wären ein Bruchteil davon. Über 30 Jahre macht das einen erheblichen Unterschied – rechne es im Förderrechner selbst nach, das Kostenfeld ist dort einstellbar.

Zur Null im ersten Jahr: Das ist ein Aktionsangebot, kein dauerhafter Preis. Über einen Vertrag, der dich 30 bis 40 Jahre begleitet, entscheidet, was ab Jahr zwei gilt. Ein erstes Gratisjahr ist ein Argument unter vielen – aber nicht das wichtigste.

Was für ein förderfähiges Angebot nötig ist

Förderfähig ist nur ein vom Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) zertifizierter Vertrag – ein bestehendes Depot wird nicht automatisch zum Altersvorsorgedepot. Dazu kommen die gesetzlichen Pflichten: das Standarddepot mit Kostendeckel, das jeder Anbieter im Programm haben muss, und eine Lösung für die Auszahlphase.

Nicht verwechseln: Zuständig für die Zertifizierung ist das BZSt, nicht die BaFin. Mehrere Vergleichsportale schreiben das falsch.

Woran wir Scalable Capital messen werden

Sobald ein Preisverzeichnis vorliegt, bewerten wir nach unserer offengelegten Matrix: Kosten (40 %), Anlageuniversum (20 %), Förder-Handling (15 %), Auszahlphase (15 %), Service & App (10 %).

Vier Fragen stehen hier im Vordergrund: Bestätigt das Preisverzeichnis die angekündigten Konditionen? Wie hoch ist die Effektivkostenquote inklusive aller Nebenkosten? Wie groß ist die ETF-Auswahl im geförderten Depot – die Zahlen, die in anderen Portalen kursieren, stammen nicht vom Anbieter? Und welche Lösung gibt es für die Auszahlphase, in der ein Broker ohne Versicherungspartner zunächst keine lebenslange Rente anbieten kann?

💡 Bis dahin: Verfolge alle Anbieter in der Watchlist, versteh die Förderung und rechne deine Zulagen im Förderrechner durch.
Wer bietet das Altersvorsorgedepot ab 2027 an?
Zum Anbieter-Vergleich

Häufige Fragen

Was soll das Altersvorsorgedepot bei Scalable kosten?
Angekündigt sind keine Gebühren für Depot, Sparpläne und Handel sowie ETF-Kosten von höchstens 0,15 % jährlich, im ersten Jahr 0 %. Diese Angaben stammen aus einem Interview, nicht aus einem Preisverzeichnis – verbindlich sind sie damit noch nicht.
Sind 0,15 % die Effektivkosten?
Nein. Genannt ist die Produktkostenquote der ETFs. Die Effektivkosten umfassen zusätzlich Depotführung, Abschluss- und Auszahlkosten. Verzichtet Scalable darauf, lägen beide Werte nahe beieinander – belegt ist das erst mit dem Preisverzeichnis.
Lohnt sich das erste Gratisjahr?
Es ist ein Aktionsangebot. Bei einem Vertrag über 30 oder 40 Jahre entscheidet, was ab dem zweiten Jahr gilt. Nimm es mit, wenn du dich ohnehin für den Anbieter entscheidest – als alleiniger Grund taugt es nicht.
Gibt es eine Beitragsgarantie?
Nein, Scalable verzichtet bewusst darauf. Das ist beim Altersvorsorgedepot zulässig und der wesentliche Unterschied zur Riester-Rente. Ohne Garantie sind höhere Aktienquoten möglich – dafür schwankt das Vermögen stärker.
Kann ich meinen Riester-Vertrag übertragen?
Scalable kündigt einen Wechselservice an. Wie er praktisch abläuft und was er kostet, ist noch nicht veröffentlicht. Die vier möglichen Wege stehen im Riester-Wechsel-Ratgeber.
Wie viele ETFs stehen zur Auswahl?
Dazu gibt es keine belastbare Angabe des Anbieters. In Vergleichsportalen kursieren sehr unterschiedliche Zahlen – wir übernehmen sie nicht, solange Scalable sie nicht selbst nennt.
Wann gibt es hier eine Testnote?
Sobald ein zertifiziertes Produkt mit veröffentlichtem Preisverzeichnis vorliegt – frühestens zum Marktstart im Januar 2027.

Stand: September 2026. Diese Seite ist eine redaktionelle Status-Beobachtung; es besteht keine Geschäftsbeziehung zu Scalable Capital, sofern nicht ausdrücklich gekennzeichnet. Alle Angaben ohne Gewähr.