Frühstart-Rente:10 € im Monat vom Staat fürs Kind
Der Staat legt für dein Kind ab dem 6. Geburtstag 10 € im Monat am Aktienmarkt an, bis es 18 ist. Ausgezahlt wird das Geld erst im Rentenalter. Ob dein Kind überhaupt dabei ist, hängt am Geburtsjahr – und genau dort hat sich im Juli etwas geändert.
Bekommt mein Kind die Frühstart-Rente?
Die Förderung startet nicht für alle Kinder gleichzeitig, sondern wächst Jahrgang für Jahrgang. Den Anfang macht das Geburtsjahr 2020 – die Kinder, die 2026 sechs Jahre alt werden.
| Geburtsjahr deines Kindes | Bekommt es die 10 € im Monat? |
|---|---|
| 2020 | Ja – rückwirkend ab 2026 |
| 2021 | Ja – ab 2027, sobald es sechs wird |
| 2022 und später | Ja – jeweils ab dem Jahr, in dem es sechs wird |
| 2019 und früher | Nein – Vertrag möglich, aber ohne staatliches Geld |
Für ältere Kinder ist das eine schlechte Nachricht. Nach dem aktuellen Entwurf können Eltern für frühere Geburtsjahrgänge zwar einen Vertrag abschließen – staatliche Zuwendungen fließen dorthin aber nicht.
Das war einmal anders geplant. In den Eckpunkten vom Dezember 2025 stand noch, ältere Jahrgänge sollten ab 2029 nachträglich einbezogen werden, bis am Ende alle 6- bis 17-Jährigen dabei sind. Im Regierungsentwurf taucht diese Nachholung nicht mehr auf.
Wie viel Geld kommt dabei heraus?
Vom Staat kommen 10 € pro Monat über zwölf Jahre – zusammen 1.440 €. Das ist die einzige Zahl, die feststeht. Alles Weitere hängt daran, wie sich das Geld am Aktienmarkt entwickelt und was der Anbieter dafür nimmt.
Ein Rechenbeispiel: 7 % Rendite pro Jahr, davon 0,2 % laufende Kosten – ein realistischer Wert für ein günstiges Depot. Dann lägen zum 18. Geburtstag rund 2.200 € im Depot, und wenn niemand etwas anrührt, bis zum 65. Geburtstag rund 48.000 €. Aus 1.440 € Staatsgeld wird also rund das 33-Fache – allein durch Zeit.
Zum Vergleich: Läge ein Anbieter beim gesetzlichen Höchstwert von 1 %, blieben nur rund 32.000 € – gut 16.000 € weniger, allein wegen der Gebühren. Bislang liegt kein Anbieter, der Zahlen genannt hat, auch nur in der Nähe dieser Grenze. Genau deshalb gewichten wir Kosten in unserem Bewertungsschema mit 50 Prozent.
Und die ehrliche Einordnung dazu: Das ist ein Startkapital, keine Altersversorgung. Eine Rentenlücke schließen 10 € im Monat nicht. Der Wert liegt woanders – das Kind hat mit 18 ein laufendes Depot, versteht, wie Kapitalmarkt funktioniert, und kann darauf aufbauen. Garantiert ist nichts: Aktienkurse schwanken, und die Zahlen oben sind eine Modellrechnung, keine Vorhersage.
Was müssen Eltern tun?
Ein Depot für das Kind eröffnen. Und hier steht im Entwurf eine Einschränkung, die viele überrascht: Es muss ein Standarddepot sein.
Das Standarddepot ist die vereinfachte Variante des Altersvorsorgedepots – zwei vorausgewählte Fonds statt freier Auswahl, dafür gesetzlich gedeckelte Kosten von höchstens 1 % pro Jahr. Jeder Anbieter der geförderten Altersvorsorge muss so einen Vertrag anbieten. Den Anbieter kannst du also frei wählen, das Produkt nicht.
Mehr dazu, wie dieses Produkt funktioniert und wo seine Grenzen liegen: Standarddepot erklärt.
Abschließen lässt sich das alles noch nicht – das Gesetz ist nicht beschlossen, und kein Anbieter hat bislang ein zertifiziertes Produkt. Sei vorsichtig bei Angeboten, die dir heute schon eine „Frühstart-Rente“ verkaufen wollen. Welche Häuser überhaupt in den Markt gehen, verfolgen wir in der Anbieter-Watchlist.
Was passiert, wenn ich nichts mache?
Die gute Nachricht zuerst: Das Geld ist nicht verloren. Wenn Eltern keinen Vertrag abschließen, sammelt der Bund die Beträge des Jahrgangs ein und legt sie gemeinsam an.
Verwaltet wird diese Auffanglösung von der Deutschen Bundesbank. Angelegt wird ausschließlich in Aktien beziehungsweise Aktienfonds, weltweit gestreut. Über die Entwicklung soll öffentlich berichtet werden, voraussichtlich über eine eigene Webseite.
Es gibt aber eine Frist. Das Geld aus der Auffanglösung lässt sich quartalsweise auf einen eigenen Vertrag übertragen – aber nur, solange dein Kind das 35. Lebensjahr nicht vollendet hat. Danach ist der Weg in den individuellen Vertrag zu und die Mittel fließen an den Bundeshaushalt zurück. Das steht so in § 9 Absatz 2 des Entwurfs, den der Bundestag als Drucksache 21/7864 berät.
In der Auffanglösung kannst du übrigens weder zuzahlen noch die Anlage beeinflussen. Wer beides will, braucht einen eigenen Vertrag.
Der liegt jetzt vor. Nach § 9 Absatz 2 des Entwurfs (Bundestags-Drucksache 21/7864) ist die Übertragung möglich, wenn der Vertrag vor dem 35. Lebensjahr geschlossen wird und der Antrag bei der zentralen Stelle eingeht, bevor der Berechtigte das 35. Lebensjahr vollendet. Die Angabe des Ministeriums war also richtig, die ältere Analyse ist überholt. Für Eltern bleibt die praktische Konsequenz dieselbe: Wer einen Vertrag abschließt, muss sich um Fristen gar nicht erst kümmern.
Wie geht es nach dem 18. Geburtstag weiter?
Mit 18 endet das Geld vom Staat, das Depot bleibt. Dein Kind kann es dann selbst weiterbesparen – der Entwurf ist ausdrücklich so gebaut, dass daraus nahtlos ein Altersvorsorgedepot mit der normalen Erwachsenen-Förderung wird.
Zuzahlen dürfen Eltern, Großeltern und andere schon vorher, begrenzt auf 6.840 € pro Jahr. Die Erträge bleiben bis zum Beginn der Auszahlung steuerfrei.
Ausgezahlt wird frühestens mit 65. Der geförderte Teil wird bei Auszahlung voll besteuert (§ 22 Nr. 5 EStG). Bei eigenen, nicht geförderten Beiträgen wird nur der Ertrag besteuert, in der Regel zur Hälfte. Wie so eine Auszahlung abläuft, steht auf unserer Seite zur Auszahlphase.
Frühstart-Rente oder Kinderzulage – was ist der Unterschied?
Beides gibt es wegen Kindern, aber es sind zwei verschiedene Töpfe. Die Kinderzulage von bis zu 300 € pro Kind und Jahr fließt in deinen Vertrag als Elternteil. Die Frühstart-Rente fließt in ein eigenes Depot des Kindes.
Beides schließt sich nicht aus. Wie hoch deine eigenen Zulagen ausfallen, rechnest du im Förderrechner aus; die Fördersätze im Detail stehen unter Förderung & Zulagen.
Was im Gesetz steht
Mit dem Beschluss des Bundestags stehen diese Punkte fest:
- Der Antrag läuft automatisch. Mit Vertragsschluss gilt der Anbieter als bevollmächtigt, die Förderung bei der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen zu beantragen. Eltern müssen nichts einreichen; ein Widerspruch gegen die automatische Antragstellung ist möglich.
- Keine Abschluss- und Vertriebskosten auf das geförderte Vermögen bis zur Auszahlphase. Ein Anbieterwechsel kostet weder beim alten noch beim neuen Anbieter etwas. Für Eigenbeiträge gelten die normalen Regeln des Altersvorsorgedepots. Dazu kommt der Effektivkostendeckel von 1 % aus dem Standarddepot.
- Eigenbeiträge sind von Anfang an möglich, nicht erst ab 18. Bis zu 6.840 € im Jahr dürfen Eltern, Großeltern oder Dritte zusätzlich einzahlen.
- Nur ein Vertrag je Kind erhält die Förderung. Ein Anbieterwechsel per vollständiger Kapitalübertragung bleibt jederzeit möglich. Ruht der Vertrag und fließen wieder Eigenbeiträge, lebt er automatisch und kostenfrei wieder auf.
- Das Sondervermögen für die kollektive Anlage entsteht zum 1. Januar 2028, verwaltet von der Deutschen Bundesbank, angelegt zu 100 % in global gestreuten Aktien. Eine Wertgarantie gibt es nicht – der Bund haftet ausdrücklich nicht für die Wertentwicklung.
- Stirbt das Kind vor dem 18. Geburtstag, ist das Frühstartrenten-Vermögen vererbbar – die Förderung muss nicht zurückgezahlt werden. Stirbt es danach, gelten die Regeln für geförderte Altersvorsorge.
Wann kommt das Gesetz?
Der Fahrplan ist ambitioniert: Das Verfahren soll im November 2026 abgeschlossen sein, damit die Anbieter genug Vorlauf für den Start zum Jahreswechsel haben. Der Bundestag hat das Gesetz am 16. Oktober beschlossen, offen ist noch der Bundesrat.
| Wann | Was |
|---|---|
| 17.12.2025 | Das Kabinett beschließt die Eckpunkte |
| 22.07.2026 | Das Bundesfinanzministerium legt den Referentenentwurf vor |
| 12.08.2026 | Das Kabinett beschließt den Regierungsentwurf – nach Angaben der Bundesregierung unverändert |
| 14.08.2026 | Zuleitung an den Bundesrat als Drucksache 445/26, Frist für die Stellungnahme: 25.09.2026 |
| 25.09.2026 | Erste Lesung im Bundestag, Überweisung an die Ausschüsse – federführend der Finanzausschuss |
| 16.10.2026 | Bundestag beschließt das Gesetz in der Fassung des Finanzausschusses (Drucksache 21/8606) |
| geplant 11/2026 | Befassung im Bundesrat |
| 01.01.2027 | Inkrafttreten, Förderung rückwirkend für 2026 |
| 01.01.2028 | Das Sondervermögen für die Auffanglösung entsteht (Artikel 3 des Gesetzes) |
Der Entwurf ging als Bundesrats-Drucksache 445/26 ins Verfahren, ausdrücklich als „besonders eilbedürftige Vorlage“ nach Artikel 76 Absatz 2 Satz 4 Grundgesetz. Genau das erlaubt der Bundesregierung, den Entwurf an den Bundestag weiterzuleiten, ohne die Stellungnahme des Bundesrats abzuwarten. Dort liegt er seit dem 7. September 2026 als Bundestags-Drucksache 21/7864.
Die Frist des Bundesrats ist am 25. September abgelaufen. Die Stellungnahme des Bundesrats liegt inzwischen als Drucksache 21/8296 vor. Beraten wird der Entwurf zusammen mit einem Antrag der Fraktion Die Linke.
Der Finanzausschuss hat den Entwurf vor dem Beschluss geändert; die Änderungen, die Eltern betreffen, sind oben eingearbeitet. Wir aktualisieren diese Seite nach jedem Verfahrensschritt und schreiben dazu, was belegt ist und was nicht.
Häufige Fragen
Bis wann muss das Startkapital abgerufen werden?
Mein Kind ist 2018 geboren – bekommt es die Frühstart-Rente?
Brauche ich einen Antrag?
Kann ich das Geld für den Führerschein oder die Ausbildung nutzen?
Wie viel darf ich zusätzlich einzahlen?
Kann ich den Anbieter später wechseln?
Was ist, wenn wir ins Ausland ziehen?
Heißt es Frühstart-Rente oder Frühstartrente?
Zuletzt geprüft am 20.10.2026 gegen die Bundestags-Drucksachen 21/7864 und 21/8606 (Beschlussempfehlung des Finanzausschusses), die Bundesrats-Drucksache 445/26 und die FAQ des Bundesfinanzministeriums. Das Gesetz ist zum Stand dieser Seite vom Bundesrat noch nicht abschließend behandelt – alle Angaben sind vorläufig und ohne Gewähr. Die Rechenbeispiele sind Modellrechnungen mit den genannten Annahmen, keine Prognose. Keine Anlage- oder Steuerberatung.