Stand: Juli 2026

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist das neue staatlich geförderte Vorsorgeprodukt, das ab dem 1. Januar 2027 die Riester-Rente ablöst. Erstmals kannst du gefördert und ohne Garantiezwang direkt in ETFs und Fonds investieren. Hier bekommst du den kompletten Überblick: Rechtsgrundlage, Produktvarianten, Unterschiede zum ETF-Depot und Auszahlphase.

Die Reform in Kürze

Grundlage ist das Altersvorsorgereformgesetz: vom Bundestag am 27. März 2026 beschlossen, am 8. Mai 2026 vom Bundesrat gebilligt und am 29. Mai 2026 verkündet (BGBl. 2026 I Nr. 156). Es tritt zum 1. Januar 2027 in Kraft – dann können Anbieter zertifizierte Altersvorsorgedepots vertreiben. Die Zertifizierung übernimmt das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt); ab 2027 in einem nachgelagerten Verfahren unter Widerrufsvorbehalt, das einen zügigen Marktstart ermöglicht.

Der wichtigste Bruch mit Riester: Die verpflichtende 100-Prozent-Beitragsgarantie fällt weg. Garantien kosten Rendite – ohne sie kann dein Geld über Jahrzehnte am Kapitalmarkt arbeiten. Wer Garantie will, kann sie weiterhin wählen; sie ist aber nicht mehr Pflicht.

Die drei Produktvarianten

1. Altersvorsorgedepot (ohne Garantie)

Volle Kapitalmarktanlage in ETFs, Fonds, Anleihen und andere zugelassene Wertpapiere. Du (oder der Anbieter, je nach Modell) wählst die Anlage; ein Wechsel zwischen Fonds und ETFs innerhalb des Depots ist steuerfrei möglich. Wichtig: Förderfähig ist nur der zertifizierte Vertrag – ein normales ETF-Depot wird nicht automatisch zum Altersvorsorgedepot.

2. Garantieprodukt

Für Sicherheitsorientierte gibt es Varianten mit 80 oder 100 Prozent Beitragsgarantie. Die Garantie reduziert erwartbar die Rendite, weil ein Teil des Kapitals sicher angelegt werden muss – dafür weißt du, was am Ende mindestens da ist.

3. Standarddepot

Die Einfach-Variante: zwei vorausgewählte Fonds (defensiv/offensiv), gesetzlicher Kostendeckel von 1,0 Prozent, und jeder Anbieter muss es anbieten (Angebotspflicht). Zusätzlich ist ein öffentlich organisiertes Standardangebot geplant. Für alle, die nicht vergleichen und auswählen wollen, ist das Standarddepot der Sicherheitsanker gegen überteuerte Produkte.

Altersvorsorgedepot vs. normales ETF-Depot

Beide investieren in dieselben Bausteine – die Rahmenbedingungen unterscheiden sich aber deutlich:

  • Förderung: Nur das Altersvorsorgedepot erhält Zulagen (bis 540 € Grundzulage/Jahr, Kinderzulage, Berufseinsteigerbonus) und ggf. Sonderausgabenabzug. Details im Förderungs-Ratgeber.
  • Verfügbarkeit: Das ETF-Depot ist jederzeit verfügbar; das Altersvorsorgedepot ist für die Rente gebunden – Auszahlung frühestens ab 65 bzw. mit GRV-Rentenbezug. Ausnahme: Entnahmen für die selbst genutzte Immobilie, Sanierung oder altersgerechten Umbau sind nicht förderschädlich.
  • Umschichten: Im Altersvorsorgedepot sind Fonds-/ETF-Wechsel steuerfrei; im normalen Depot löst ein Verkauf Kapitalertragsteuer aus.
  • Rahmen: Einzahlung bis 6.840 € pro Jahr und Depot, maximal zwei Depots gleichzeitig, Förderung nur auf einem.

Kurz: Das Altersvorsorgedepot ist kein Ersatz fürs freie Depot, sondern eine geförderte, zweckgebundene Ergänzung.

Wer ist förderberechtigt?

Der Kreis ist deutlich größer als bei Riester: alle Pflichtversicherten der gesetzlichen Rentenversicherung, mittelbar berechtigte Ehepartner – und neu auch Selbstständige ohne GRV-Pflicht. Für Kinder gibt es parallel die Frühstart-Rente (10 €/Monat vom Staat je Kind ab 6 Jahren, jahrgangsweise Einführung ab 2026) – ein eigenes Thema, das wir separat aufbereiten.

Die Auszahlphase

Die Auszahlung beginnt frühestens ab 65 oder mit Bezug der gesetzlichen Rente. Du hast die Wahl zwischen einem Fondsauszahlplan, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr läuft und dein Kapital weiter investiert lässt, und einer lebenslangen Leibrente über einen Versicherungspartner. Die Konditionen der Auszahlphase – insbesondere deren Kosten – werden ein zentrales Kriterium in unserem Anbietervergleich sein.

Was bedeutet das für Riester-Sparer?

Rund 16 Millionen Bestandsverträge genießen Bestandsschutz. Ab 2027 kannst du in die neue Förderung wechseln – mit oder ohne Produktwechsel und ohne Rückzahlung der bisherigen Förderung. Ein Neuabschluss nach altem Riester-Modell ist nur noch bis Ende 2026 möglich. Einen ausführlichen Wechsel-Ratgeber veröffentlichen wir rechtzeitig vor dem Start.

💡 Nächster Schritt: Verschaffe dir einen Überblick, welche Broker das Altersvorsorgedepot anbieten werden, und rechne mit unserem Förder-Überblick nach, wie viel Zulage dir zusteht.

Häufige Fragen

Ist das Altersvorsorgedepot dasselbe wie ein ETF-Depot?
Nein. Das Altersvorsorgedepot ist ein zertifizierter Vertrag mit staatlicher Förderung und gebundener Auszahlphase. Ein normales ETF-Depot ist flexibler, erhält aber keine Zulagen.
Brauche ich einen Berater, um es abzuschließen?
Nein. Das Depot wird direkt bei Brokern und Banken abschließbar sein – so wie heute ein Wertpapierdepot. Genau deshalb lohnt der Anbietervergleich.
Welche Variante passt zu mir?
Als grobe Orientierung: lange Laufzeit und Renditefokus → Depot ohne Garantie; hohes Sicherheitsbedürfnis → Garantieprodukt; keine Lust auf Auswahl → Standarddepot mit Kostendeckel. Eine individuelle Empfehlung ersetzt das nicht.
Wann kann ich mir das Geld auszahlen lassen?
Frühestens ab 65 oder mit Bezug der gesetzlichen Rente – als Fondsauszahlplan (mindestens bis 85) oder lebenslange Leibrente.

Quellen: Altersvorsorgereformgesetz (BGBl. 2026 I Nr. 156); FAQ „Reform der privaten Altersvorsorge" des Bundesministeriums der Finanzen (bundesfinanzministerium.de). Stand: Juli 2026. Angaben ohne Gewähr, keine Anlage- oder Steuerberatung.